Der Große Austausch

Ethnopluralismus

Der Begriff des „Großen Austauschs“ ist auf den französischen rechtsintellektuellen Renaud Camus zurückzuführen. Im Jahr 2013 veröffentlichte er ein Buch unter dem Titel „Le Grand Remplacement“. Drei Jahre später wurde dieser Aufsatz von Martin Lichtmesz (Martin Semlitsch) in die deutsche Sprache übersetzt.

Die Theorie des großen Austauschs bezieht sich auf den sogenannten „Ethnopluralismus“. Dieses Konzept wird vor allem von der Neuen Rechten verbreitet und geht davon aus, dass sich die Menschheit in einheitliche und klar abgrenzbare Kulturen oder Völker einteilen lässt. Um die „ethnokulturellen Identitäten“ zu erhalten, wollen Anhänger dieser Theorie eine strikte Trennung zwischen den verschiedenen Kulturen.  

Ein geheimer Plan
Die Verschwörungstheorie des „Großen Austauschs“ baut auf genau dieser Vorstellung auf, dass am besten alle Kulturen „unter sich“ bleiben. Im Kern wird angenommen, dass die europäische „Stammbevölkerung“ durch muslimische Migranten und Migrantinnen ausgetauscht werde – mit dem Ziel, die Völker durch „Vermischung“ zu schwächen. Muslimische MigrantInnen werden in dieser Theorie als homogene und fremde Gruppe wahrgenommen und ihre Einwanderung wird pauschal abgelehnt. Allerdings werden nicht die Muslime selbst als Drahtzieher dieser vermeintlichen Verschwörung ausgemacht. Stattdessen wird eine „heimliche Elite“ imaginiert, die angeblich bewusst MigrantInnen nach Europa umsiedeln, um die „europäische Stammbevölkerung“ zu schwächen und zu verdrängen. In dieser Vorstellung werden Flucht und Migration nicht mehr mit realen Kriegs- und Krisensituationen erklärt, sondern durch einen geheimen Plan einer mächtigen Elite, die sich durch diesen Bevölkerungsaustauch die Erfüllung eigener Machtinteressen erhoffe.

Wer steckt dahinter?

So werden komplexe globale Zusammenhänge stark vereinfacht und mit Hilfe einer Verschwörung erklärt, also mit dem Glaube an eine allmächtige Instanz, die im Hintergrund die Welt beherrscht. Einerseits ist die Ablehnung gegenüber „fremden“ „Völkern“ nicht zu verkennen – gleichzeitig ist auch diese Verschwörungstheorie im Kern antisemitisch. Manchmal lässt sich die antisemitische Komponente nur zwischen den Zeilen erkennen, da offener Antisemitismus strafrechtlich geahndet wird. Wenn man sich jedoch einschlägige Internetseiten ansieht und die Kommentarspalten zu diesem Thema durchforstet, wird schnell sehr offen deutlich, dass die „heimliche Elite“ letztlich eine Anspielung auf die Vorstellung einer „jüdische Finanzelite“ ist, die angeblich als Drahtzieher die Weltherrschaft erlangen wollen. So erhielt beispielsweise die Amadeu-Antonio-Stiftung eine Lesermail, in der geschrieben stand: „Denn für die Ursachen von Flucht und Migration in aller Welt zeichnet sich eben jene jüdische Finanzelite verantwortlich.“Während des Nationalsozialismus war jene gefährliche Idee von einer jüdischen Verschwörung einer der Hauptgründe für die Ermordung von sechs Millionen Juden und Jüdinnen.

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